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12. Zukunftsforum 2019

Nr. 12: Zukunftsfähige Dörfer – nichts geht mehr ohne Digitalisierung!

Die Ausgangsthese lautet: Digitalisierung ist mehr als nur Technik! Sie kann das Leben und Arbeiten in den Dörfern für alle Landbewohner/-innen attraktiver machen. Was muss getan werden und welche Voraussetzungen sind zu berücksichtigen? Ihre Forschungsergebnisse und Erfahrungen in den Praxisfeldern möchten zwei Forschungsteams zur Diskussion stellen.

Die Agrarsoziale Gesellschaft Göttingen, die Hochschule Neubrandenburg und das Berliner Institut SÖSTRA haben im Auftrag des BMEL den Stand der Digitalisierung im ländlichen Raum sowie deren Auswirkungen auf die Erwerbssituation von Frauen auf dem Land untersucht.

Regional Verantwortliche wie auch Branchen- und Unternehmensvertreter/-innen haben beim Thema Digitalisierung die Geschlechterfrage kaum im Blick. Wenn überhaupt, wird unterstellt, dass Digitalisierung Frauen per se den Zugang zu männertypischen Branchen und Tätigkeitsbereichen erleichtert und sie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestattet. Konzepte für das Gelingen gibt es nicht. Es wird zumeist an tradierten Rollen-mustern angeknüpft und diese werden fortgeschrieben.

Eine bundesweite Online-Erhebung unter Frauen in ländlichen Regionen hat ergeben:

  • Digitale Technologien sind vor allem in ihrer Form als Basistechnologien (PC, Laptop, Tabletts) im Arbeitsalltag der Frauen angekommen. Technologien, die Kern von "Arbeiten 4.0" sind, sind eine Ausnahme.
  • Bereits die Nutzung der Basistechnologien führt zu neuen Herausforderungen und Beanspruchungen. Diese bringen kaum eine Einkommenserhöhung oder beruflichen Aufstieg. Nur ein Teil der Frauen verbindet mit der Digitalisierung eine höhere Arbeitsplatzsicherheit.
  • Frauen auf dem Land sehen in der Digitalisierung aber auch Potenzial, um überhaupt erwerbstätig sein, dem Wunschberuf nachgehen zu können und berufliche Alternativen zu finden. Digitalisierung ermöglicht ihnen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und leisten einen wichtigen Beitrag für die Lebensgestaltung im ländlichen Raum. Die Digitalisierung kann ländliche Räume für Frauen und ihre Familien attraktiver machen.

Vom Projektteam wurden Handlungsempfehlungen erarbeitet, die sich zum einen auf die Schaffung von Rahmenbedingungen für verbesserte Erwerbschancen für Frauen im ländlichen Raum im Kontext der Digitalisierung und zum anderen auf das Erschließen von mehr Chancen für Frauen im Erwerbsleben durch die Digitalisierung konzentrieren.

Weitere Informationen siehe: Digitalisierung und Erwerbschancen von Frauen auf dem Land

Im Forschungsschwerpunkt Ländlicher Raum des Lehrgebietes Stadtplanung und Planungsgeschichte der Universität Siegen wird im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) derzeit das Projekt "Digitale Dorf.Mitte" im Rahmen des Programms "Land.Digital: Chancen der Digitalisierung für ländliche Räume" gefördert. Kooperationspartner sind die LEADER-Region Wittgenstein und die REGIONALE Südwestfalen 2025.

Die Digitalisierung kann zu mehr Lebensqualität im ländlichen Raum beitragen. Die Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung bei der Technikentwicklung und deren Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung für ihren Erfolg!

Digitale Dorf.Mitte setzt an den Themen und Bedürfnissen der Dörfer und ihrer Bewohnerschaft an, nimmt bestehende Projekte und Initiativen zum Anlass konkreter digitaler Entwicklung und ist Teil einer übergeordneten regionalen Strategie. Bewährte technische Lösungen werden projektbezogen angepasst.

In Kooperation mit der LEADER-Region Wittgenstein und den drei Kommunen Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück fand im Frühjahr 2018 die Auswahl von drei Modelldörfern statt. Neben der Erfüllung technischer Voraussetzungen wie Breitband- und Mobilfunkabdeckung waren maßgebliche Filterkriterien: eine aktive Dorfgemeinschaft, die sich gegenüber innovativen Ideen und der Anwendung digitaler Technik grundsätzlich aufgeschlossen zeigt, sowie eine Mindesteinwohnerzahl von rund 500 Personen.

Der Technikeinsatz orientiert sich an den Belangen und Projekten der Dorfgemeinschaft. In Bürgerwerkstätten wurden mit den Bewohnern/-innen unterschiedliche Projekte vorbereitet, die das Dorf durch Digitalisierung weiterbringen sollen wie beispielsweise: Unterstützung von Organisationsstrukturen, Entlastung des Ehrenamts, Aufbau von zusätzlichen Kommunikationsebenen durch eine digitale Dorfplattform, Überwindung von Distanzen etc.

Die bestehende Dorfmitte soll gestärkt werden: Neben der "analogen" Dorfmitte soll in der "Digitalen Dorf.Mitte" ein Angebot für alle Generationen entstehen.

Weitere Informationen siehe: Digitale Dorf.Mitte | Dörfer einer Region vernetzen sich!

Organisatorisches

Veranstalter: Agrarsoziale Gesellschaft e.V. (ASG), Institut für Sozialökonomische Strukturanalysen (SÖSTRA) GmbH, Universität Siegen, Fakultät Bildung.Architektur.Künste, Department Architektur, Lehrgebiet Stadtplanung und Planungsgeschichte

Ansprechperson: Prof. Dr. Hilde Schröteler-von Brandt

Programm

16:00 bis 17:00 Uhr Impulsreferate mit Rückfragen

Digitalisierung – Erwerbschancen und Bleibeperspektiven für Frauen in ländlichen Räumen

  • Ines Fahning und Dr. Monika Putzing

Zukunftsfähige Dorfentwicklung – durch und mit Digitalisierung! Beispiele aus Südwestfalen

  • Prof. Dr. Hilde Schröteler-von Brandt

17:00 bis 18:00 Uhr Offenes Diskussionsforum der Forschungsteams mit dem Publikum