Intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum soll Europas Wirtschaftskraft sichern. Die EU will die Agrarpolitik für die ländlichen Räume in der Förderperiode ab 2014 "grüner" machen. Klimawandel, Umweltschutz, Innovationen und Wissenstransfer sollen größeren Stellenwert erhalten. Diesen neuen Herausforderungen müssen sich die ländlichen Regionen stellen. Wie verändern sich Unternehmen, Menschen - wie eine ganze Region? Neue Wege zu finden und neue Arbeitsweisen für nachhaltige Wertschöpfung zu verankern, sind die zukünftigen persönlichen, unternehmerischen, politischen und gesellschaftlichen Aufgaben. "Wie können wir Einfluss nehmen, mitwirken, Ideen einbringen, wie uns mit anderen Gleichgesinnten zusammentun, gemeinsam Projekte angehen, die für einzelne zu groß, zu kompliziert, zu kapitalintensiv, zu risikoreich wären?", fragte einleitend Uta-Maria Kern vom Verband der Bildungszentren. Ländliche Räume brauchen Mitstreiter, Unterstützer, Mitdenker. Wir brauchen Know-how darüber, wie man solche Vernetzungen angeht, steuert und zum Erfolg führt. Dazu gehören neben dem guten Willen auch Wissen und Kenntnisse von Spielregeln und Erfolgsfaktoren. Partizipation und Vernetzung braucht es dazu auf allen Ebenen.
Franz Jansen-Minßen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen vor. Ausgehend von zunehmenden Nutzungskonkurrenzen um die Flächen (von Milchproduktion, Infrastrukturmaßnahmen über Biodiversität und Wasserschutz bis Tourismus) und vor dem Hintergrund der zukünftigen neuen Herausforde-rungen, vor denen die ländlichen Regionen stehen, wurde der Aufbau und Betrieb eines Clustermanagements entlang regionaler Wertschöpfungsketten aus der Grünlandbewirtschaftung und zur Sicherung der durch nachhaltige Grünlandbewirtschaftung geprägten Kulturlandschaften in Niedersachsen und Bremen initiiert. Das Netzwerk Grünland verbindet Unternehmen, Organisationen und Menschen mit unterschiedlichen Ideen, Projekterfahrun-gen, Aufgaben und Intentionen. Sie haben aber eines gemeinsam: Sie „brennen“ für ihre Idee, Wettbewerbsfähigkeit, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Entwicklung durch das „in Wert setzen von Grünland“ unter einen Hut zu bringen. Sie sehen sich als Teil eines europäischen Grünlandgürtels und wollen ihren Beitrag regional und im Kontext mit den Nachbar-Grünlandregionen leisten. Als wichtiger Erfolgsfaktor ist festzuhalten: Die Beteiligten haben „ihr“ Thema und Menschen mit großen integrativen Fähigkeiten gefunden, um die Region ökonomisch und ökologisch weiterzubringen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei ist dabei die Finanzierung durch das Regionalbudget, welche die Politik der Förderung des ländlichen Raumes in wirksamer Weise unterstützt.
Freiräume für erfolgreiche Initiativen in ländlichen Räumen zu schaffen, ist eine Herausforderung für die Politik zur ländlichen Entwicklung der Europäischen Union. Die neuen Wege, die die Europäische Union mit ihrer GAP nach 2013 öffnet, stellte Dr. Martin Scheele, EU KOM, vor. Die EU will begünstigende Voraussetzungen für Projekte schaffen und Initiativen unterstützen, um das Kerngeschäft der ländlichen Räume - Ernährung und Biomasseproduktion - unter Umsetzung der neuen Herausforderungen (Europa 2020) zu fördern. Mit den bisherigen Maßnahmen aus dem Forschungsrahmenplan und der Politik für ländliche Entwicklung sind im Prinzip bereits jetzt schon Anschubfinanzierungen für Clustering oder Kooperationsförderung möglich. Es sei aber aus den vielen Gesprächen und Stellungnahmen deutlich gewor-den, dass der Wissenstransfer noch stärker unterstützt werden müsse. Hier werde die EU ansetzen durch die Verknüpfung verschiedener Instrumente. Damit wird der interaktive Prozess zwischen Praxis und Forschung verstärkt, um Wissenstransfer über Bildung und Beratung zu forcieren. Das Beratungssystem (Farm Advisory System) könnte z. B. in der Systematik und in den Inhalten erweitert werden. Um ein Instrument zur Fokussierung innovativer Ansätze zu schaffen, möchte die Kommission mithilfe eines Innovations-Netzwerkes die Zusammenarbeit der Akteure verbessern, Fähigkeiten zur Nutzung der Förderinstrumentarien vermitteln und im Ergebnis dazu beitragen, den Forschungsbedarf der Praxis in Rich-tung Forschung und der Ergebnisse in Richtung Praxis zu lenken. Mit dieser Struktur sollte es gelingen, das vorhandene Leistungspotenzial zu nutzen und zu vernetzen, mit dem Ziel "mehr (Lebensmittel, Biomasse) mit weniger" (Ressourcenverbrauch) zu produzieren.
In neun Teilfragen gab Stefan Dietz (entra) die Impulse für die Diskussion. In einem kleinen Workshop vernetzten sich die Teilnehmer mit ihrem vorhandenen Wissen, ihrer Erfahrung und ihren Ideen und arbeiteten heraus, wie Vernetzung wirkungsvoll ist und Wertschöpfung erzeugen kann.
- Wie kommen Menschen optimal zusammen für echten Kontakt, Austausch und den Be-ginn von Zusammenarbeit?
- Wie werden die richtigen Personen erreicht und gewonnen?
- Wie können überzeugende Schlüsselpersonen gewonnen werden?
- Wie werden regionale Entwicklungsprozesse richtig positioniert?
- Wie klar und strukturiert sind Prozesse und Organisation?
- Wie erreichen Netzwerke ein nachhaltiges Geschäftsmodell?
- Wie entstehen wirklich erfolgreiche Netzwerke und Kooperationen?
- Was fördert Förderung wirklich?
- Welche Regeln und Strukturen können regional in/außer Kraft gesetzt werden?
Die Teilnehmer tauschten untereinander Erfolgsbeispiele und Erfolgsfaktoren aus und diskutierten im Plenum, was notwendig ist, um wirkungsvolle Vernetzungsformen zu initiieren und zu unterstützen. Dabei wurden zwei Faktoren besonders herausgehoben: "weniger Regularien - mehr regionale Verantwortung“ und „die richtigen Menschen zusammenbringen".
Der Erfolgsfaktor "Mensch" zog sich durch alle Gruppenberichte über erfolgreiche Netzwerke: sei es Landfrauen mit Spezialqualifikationen in Schulprojekten, ein Unternehmerkreis, der sich Arbeitskräfte und Logistik teilt, eine gelungene Jugendbeteiligung, Gründerinitiativen im Direktvermarktungsbereich oder auch wenn regionale Akteure erstmals intensiv mit regionalen Gebietskörperschaften ins Gespräch kommen. Dort entsteht Wertschöpfung, die sich in langfristigen Geschäftsmodellen und in wachsenden Netzwerken erfolgreich etabliert.
Veranstalter: Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) und Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum
Vorträge
Begrüßung und Impuls zur aktiven Mitwirkung:
Die besten Ergebnisse entstehen, wenn viele Menschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen, sich vernetzen und Ideen kooperativ weiterentwickeln. Mischen Sie sich ein!
- Uta-Maria Kern, Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum
Wandel initiieren
Das Netzwerk Grünland: Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie, Wissenschaft, Verwaltung und Politik bringen Wettbewerbsfähigkeit, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Regionalentwicklung im Grünlandzentrum Niedersachsen/ Bremen unter einen Hut
- Franz Jansen-Minßen, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Präsentation (PDF) und Kurzinfo des Grünlandzentrums
Freiräume schaffen für erfolgreiche Initiativen in ländlichen Räumen
Welche neuen Wege öffnet die Europäische Union mit ihrer GAP nach 2013?
- Dr. Martin Scheele, Euopäische Kommission
Präsentation (PDF)
Das lebendige Potenzial nutzen: Fragen stellen. Ins Gespräch kommen. Ideen sammeln und Grundsteine für Zusammenarbeit legen.
- Impuls und Moderation: Stefan Dietz
Präsentation (PDF): Wie kann Vernetzung zu mehr Wertschöpfung führen? 9 Fragen
Schlusswort:
- Dr. Beate Bajorat, Verband der Landwirtschaftskammern

